Johannesberger Handwerkssammlung


Ausstellungskonzept

Die Johannesberger Handwerkssammlung befindet sich in dem ehemaligen Schafstall der Staatsdomäne „Propstei Johannesberg“, einem in den Jahren 1837/38 errichteten Steinbau. Der 57,5 x 13 m große Baukörper wurde westlich der eigentlichen Propsteianlage als zweigeschossiger Sandstein-Massivbau errichtet.

 

Nach Abschluss der Sanierung des Gebäudes wurde ab 1995 damit begonnen, in Teilen des Obergeschosses auf ca. 330 m² Grundfläche eine Lehr- und Schausammlung zum Bauhandwerk und zum historischen Hausbau aufzubauen. Bei den ausgestellten und in den Magazinräumen gelagerten Werkzeugen, Maschinen und sonstigen Gegenständen handelt es sich überwiegend um Schenkungen von Handwerksmeistern. Die meisten der ausgestellten Bauteile, dazu zählen zum Beispiel zahlreiche Fenster aus verschiedenen Epochen, wurden im Rahmen von Seminaren bearbeitet.



Die Johannesberger Handwerkssammlung befindet sich im Besitz der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern und wird von dem Förderverein Propstei Johannesberg e. V. betreut und unterhalten.

Die spezielle Zielsetzung der Präsentation im ehemaligen Schafstall besteht darin, den in der Propstei Johannesberg in den Bereichen Restaurierung und Denkmalpflege stattfindenden Fortbildungsseminaren ein vertiefendes Informationsangebot hinzuzufügen.

Darüber hinaus wendet sich die Ausstellung auch an Besucher, die sich in besonderem Maße für Handwerkskultur, historische Handwerkstechniken und Methoden der Restaurierung interessieren.

Die Besucher durchschreiten eine Reihe von Ausstellungsbereichen, die weder regionalspezifisch noch streng chronologisch geordnet sind. Ordnungsprinzipien sind gewerkebezogene und gewerkeübergreifende Ausstellungseinheiten. Oberstes Gebot ist, Werkzeuge, Hilfsgeräte und Werkstatteinrichtungen in ihrem jeweiligen Funktionszusammenhang zu zeigen.

 

Die Präsentation der verschiedenen Ausstellungsbereiche befindet sich überwiegend in einem Zwischenzustand. Weitgehend fertig gestellt ist die Präsentation „Mit Muskel- und Motorenkraft“, in der Hand und Fuß betriebene Maschinen, eine kombinierte Holzbearbeitungsmaschine und diverse Elektrowerkzeuge vor dem Hintergrund des Maschinenraums einer Schreinerei aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts zu sehen sind. Chronologisch angeordnete Fenster vom Barock bis zum 20. Jahrhundert und Glaserwerkszeuge weisen auf das Thema „Instandsetzung historischer Fenster“ hin.


Fehlende Ausstellungsbereiche sollen in Zukunft noch ergänzt und auch neue Zielgruppen angesprochen werden.

 

 

 

Zimmermann

Beilen eines Rundholzes zu einem rechteckigen Bauholz

 

Tischlerei

Maschinenraum einer Schreinerwerkstatt aus den 1920er Jahren

 


 

Modell

Modelle von Fachwerkhäusern aus fünf Jahrhunderten

 

Modell

Fachwerk-Modell aus Quedlinburg: Steinweg 23 und 23a, Baujahr 1683

 

Das besondere Exponat


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Im Jahre 2012 wurde eine der größten Sammlungen an Modellen historischer Fachwerkhäuser aus verschiedenen Regionen Deutschlands in die Johannesberger Handwerkssammlung als Dauerausstellung aufgenommen.

 

Mit großer Geduld, enormen Zeitaufwand und handwerklichem Können wurden die Fachwerk-Modelle in dem Zeitraum von 1987 bis 2008 von Dieter Ehret, der in Hemsbach an der Bergstraße zu Hause ist, gebaut. In dieser Zeit hat sich der Autodidakt von einem Hobby-Bastler zu einem Experten auf dem Gebiet des historischen Fachwerkbaus entwickelt.



Die private Modellsammlung von Dieter Ehret umfasst insgesamt 45 Objekte. Dabei handelt es sich teilweise auch um aus mehreren Einzelgebäuden bestehende Hofanlagen. Hierzu zählt beispielsweise der so genannte „Schäferhof“ in Osterwieck, der zusammen mit Brunnen und Taubenhaus aus 10 Einzelbauwerken besteht. Im Auftrag von Privatpersonen und öffentlichen Stellen hat Herr Ehret etwa 30 weitere Modelle angefertigt.
Für sein großes Engagement und seine außergewöhnlichen Leistungen wurde Dieter Ehret im Jahre 1990 mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis ausgezeichnet.


Die Originale der Modellbauten verteilen sich auf 5 Bundesländer, wobei die Länder Baden-Württemberg und Hessen den eindeutigen Schwerpunkt bilden. Baugeschichtlich erstreckt sich die Sammlung über 5 Jahrhunderte. Die überwiegende Zahl der Gebäude ist allerdings dem 15. – 17. Jahrhundert zuzuordnen.


Das größte Objekt der Sammlung steht im Original aber nicht in Deutschland sondern in Polen. Es handelt sich um die in Fachwerkbauweise errichtete Friedenkirche in Swidnica (Schweidnitz), der vermutlich größten Fachwerkkirche Europas. Das Modell hat eine Grundfläche von etwa 4,00 x 4,50 m, und eine Höhe von 1,90 m. An diesem Modell arbeitete Dieter Ehret über einen Zeitraum von 3 Jahren, täglich zwischen 4 und 10 Stunden.

Für die in der Propstei Johannesberg stattfindenden Seminare für Architekten, Denkmalpfleger, Handwerker und Tragwerksplaner sind die Modelle zukünftig ein wichtiges Instrument der Wissensvermittlung. An ihnen sind nicht nur die konstruktiven Gefüge historischer Fachwerkbauen dreidimensional ablesbar, sondern darüber hinaus auch zahlreiche interessante Details und originale Befundsituationen.

Die Johannesberger Handwerkssammlung kann im Rahmen von Gruppenführungen, sowie auf Anfrage auch individuell besichtigt werden.